Leto

Leben und Tot

2LP

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Das Album „Leben und tot“ setzt inhaltlich vor allem bei sich selbst an. Die Band hinterfragt sich, sieht ein und resümiert nicht immer nur Angenehmes, richtet mal Finger, mal Colt in erster Linie auf sich selbst („Der tote Baron“, „Süchtig nach allem“, „Pronomina“, „31 Fehler“, „Infarkt“). Leicht angeschossen, auf wackeligen Beinen und im Bewusstsein, dass man immer Teil des ganzen Scheißs ist („Alles ist Resonanz“ und „Wandsbek bei Regen“), trauen sich Leto dann vor allem auf der B-Seite aus dem Kämmerlein und arbeiten sich mithilfe von Metaphern, Anglizismen, Wortneuschöpfungen traurig ironisch im Außen ab. Auffällig ist, dass sich die Punshlines und Quintessenzen der Songs nicht immer in den Refrains, sondern vielmehr in einzelnen Versen der Strophen erbrechen. Müde und verbittert werfen Leto Blicke auf die Klimakrise („Ostfriesland“) oder die Gehälterschere („Bei Jobs, die man nicht erklären kann, fließt das Geld entlang“…). Weniger fragend wird bei Diskursen mit Konservativen und gesellschaftlich Rückwärtsgewandten das Tischtuch komplett zerschnitten („Blackbox Lost“). Nach den beiden Vorgängeralben „Vor die Hunde“ (VÖ 10/2020) und „Wider“ (VÖ 08/2018) sind Leto nicht mehr gewillt zu diskutieren, ob bspw. die Klimakrise menschgemacht ist oder ob es wirklich richtig ist, Gendersternchen zu setzen. Auf dem dritten Album sind Jannes, Paul, Phill und Pasn sowohl im Innen als im Außen so emotional wie nie. Wurde auf den letzten beiden Alben die Texte aus Angst vor einer gewissen Vehemenz einmal durch den Papierschredder gejagt und die einzelnen Schnippsel anschließend bewusst verwirrend im Textheft verteilt, wird jetzt rausgeschrien und punktiert ohne Ende. Der jetzigen Zeit und dem gerade no Krebstod einer Freundin geschuldet (Sechs), ist einfach keine Zeit mehr, sich zu verstecken.
„Leben und tot“ setzt sich mit eben diesem Spannungsfeld auseinander. Alles ist schnell und dann vorbei. Das macht Angst, ist aber auch gleichsam erlösend. Kraft generieren Leto aus der eigenen Fehlbarkeit, gegen die man aber all zu gern ankämpft.
In 1,5 Jahren wurde „Leben und tot“ von Leto geschrieben. Dabei entstanden über 30 Songs, aus denen wiederum 11 ausgewählt wurden. Ähnlich wie bei den Texten auf inhaltlicher Ebene, verhält es sich beim Instrumenralen. Wurde beim letzten Album aus Genregefälligkeit auf Post-Punk-Bremse gedrückt und Zerre im Stile der Hamburger Schule extra herausgedreht, geht es bei „Leben und tot“ bewusst Richtung und auf die 12. Dabei entsteht schlussendlich ein Post-Punk/Post-Hardcore/Emo Konstrukt, auf dem Leto schon immer irgendwie aufbauten, dessen Anleitung man aber aus Sicherheitsgründen in die gewisse Schublade steckte.

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