DIE TÜREN

Ramin Bijan, Gunther Osburg, Maurice Summen, Chris Imler, Markus S. Fiedler und Andreas Spechtl

17.01.2019 — Planet Exoterik

Maurice Summen empfiehlt:
Joe Meek - I hear a new world (Vinyl)
Sounddesigner der ersten Stunde. Das Mischpult und alle verkabelten Geräte erstmal als Instrumente begreifen. Joe Meek begab sich bereits Ende der 50er Jahre ohne Vorwarnung in unerforschte Räume, in denen wenige Jahre später Lee „Scratch“ Perry oder Brian Wilson ihre helle Freude haben sollten. Echokammer, ik hör dir trapsen!

Maurice Summen empfiehlt:
Funkadelic - Standing on the verge (Best of Funkadelic) (Vinyl)
Who says a funk band, can’t play rock?!
Der Motor des P-Funk-Imperiums um George Clinton, Bernie Worrell, Eddie Hazel, Junie Morrison und all den anderen, fantastischen cosmic Sloppern!
Neben Can die große 70er-Lieblingsband, also Band im Sinne von fantastischer Jam-Band: Musiker finden das goldenen Ei, entschlüsseln PI im vorbeigrooven und fusionieren im großen Finale zu einem großen, leuchtenden, pulsierender Stern. Gut, zwischendurch wird es dark - das hat mit schwarzen Löchern zu tun…

Ramin Bijan empfiehlt:
Thomas Kapielski : Danach war schon: Gottesbeweise I-VIII (Internationaler Merve Diskurs) (Buch)
Ankunftslektüre für ein sich verabschiedendes Berlin. Umso schöner, ihn auch einmal Live gesehen zu haben: mit dem Oberkreuzberger Nasenflötenorchester im Blauen Affen am Hermannplatz.
Nasenflötenorchester: gibt´s nicht mehr.
Blauer Affe: gibt´s nicht mehr.
Hermannplatz: gibt´s nicht mehr lange.
Habe dann später erfahren, dass unser Schlagzeuger Herr Chris Imler dieses Nasenflötenorchester mitgegründet hat.
Kreise.
Krise.
Chris? Gibt´s!

Andreas Spechtl empfiehlt:
Chris Marker: Level 5 (DVD)
Die Welt in der wir heute leben vom großen französischen Dokumentarfilmer Chris Marker schon 1996 vorweggenommen. Dazu noch mit Abstecher über Okinawa ein paar unerzählte Geschichten aus WWII eingebaut, die mehr über unser heute als über 1945 erzählen.
Neben den Großtaten “Sans Soleil” und “La Jetee” der eindrucksvollste, aber auch abgedrehteste Film von Marker. Catherine Belkhodja und ihr Apple Computer: bestes Filmpaar der 90iger!

Markus S Fiedler recommends:
Joan Didion - The White Album (Buch)
"In what would probably be the middle of my life i wanted still to believe in the narrative and in the narrative`s intelligibility, but to know that one could change the sense with every cut was to begin to perceive the experience as rather more electrical than ethical."

Chris Imler empfiehlt:
Micachu and the Shapes - Never (Vinyl)
Gut. Alles. Immer.

Maurice Summen empfiehlt:
Zonen der Selbstoptimierung - Berichte aus der Leistungsgesellschaft (Buch)
Eine lesenswerte Essay-Sammlung zum Wahnsinn der Selbstoptimierung.
Kunden die dieses Buch kauften, kauften auch….

Chris Imler empfiehlt:
Robert Pfaller - Wofür es sich zu leben lohnt (Buch)
Unsere Kultur hat sich den Zugang zu Glamour, Großzügigkeit und Genuss versperrt. Alles Befreiende oder Mondäne geht verloren.
Ein Leben, welches das Leben nicht riskieren will, beginnt unweigerlich, dem Tod zu gleichen.

Andreas Spechtl empfiehlt:
Thomas Köck: Klimatrilogie /Paradies Fluten (Buch)
Beste Theatertexte seit Jelinek. Wie bei Jelinek funktionieren auch Köck`s Texte ohne jegliche Bühne hervorragend. Paradies Fluten ist der erste Teil der Klimatrilogie, der in einer gewaltigen Bilder- und Sprachflut eine Geschichte des Kapitalismus und des Raubbaus des Menschen an der Natur und an sich selbst erzählt. Historisch beginnt diese große Erzählung mit dem Kautschukboom im 19. Jahrhundert, dem ganze Landstriche und Völker zum Opfer fielen. Dieser Erzählstrang prallt auf das Schicksal einer Tänzerin, die die Logik kapitalistischer Selbstoptimierung auf wahnwitzige Weise praktiziert.
Das wird alles ohne Punkt und Komma einfach mal so runtergeranted dass es eine Freude ist. Musikalischster Autor den ich kenne. Man möchte jede Zeile singen.

Ramin Bijan empfiehlt:
Latin Percussion POCKET KOKIRIKO (Instrument)
Diese geschmeidige Rhytmusschlange schlängelt sich unter fast allen Türen Songs durch. Keiner hat´s gemerkt... als ich das Video von diesem Wunderwurm sah musste ich es einfach haben.

Gunther Osburg empfiehlt:
Goat - Commune (Vinyl)
"Nicht nur ich liebe Goat auch meine Tochter flippt regelmäßig zu den psychedelischen Outernationals aus Skandinavien aus. Tolle Gitarren, wilder Gesang und ordentlich Rambazamba von der Rhythmus-Gruppe. Wenn es dann noch eine Rückzahlung der Mietnebenkosten gibt, steht einem durchtanzten Wochenende nichts mehr im Weg.“

Gunther Osburg empfiehlt:
Alice Coltrane - Universal Consciousness (Vinyl LP)
Als ich das erste Mal Alice Coltrane hörte, musste ich nicht nur laut lachen, wegen dieser seltsamen Mischung aus Free-Jazz, 60ies Future-Sound und Black-Hippie-Spiritualität. Ich war auch sofort Fan. Der perfekte Soundtrack zu einer spritzigen Weinschorle an einem lauen Sommerabend.

Andreas Spechtl empfiehlt:
Lucrecia Dalt: Anticlines (Vinyl)
Die Platte die ich 2018 wohl am öftesten gehört habe.
“Anticline" ist eine Falte in der Landschaft, die durch tektonische Platten hervorgerufen wird. Der Begriff dient Lucrecia Dalt, die in ihrer Heimat Kolumbien als Geotechniker tätig war, als Leitprinzip für ihr neues Album, bei dem es darum geht, Innenräume freizulegen und Oberflächen mehrdeutig zu sehen. Bei dem Stück "Edge" nimmt sie den Charakter von El Boraro an, einem kolumbianischen Kobold, der das Innere seiner Opfer durch ein Loch in ihrem Kopf trinkt, bevor er sie wieder aufbläst wie ein Ballon. Ziemlich ekliges Zeug, aber diese Begegnung ist mehr als nur Horror: "And my breath would fill your lungs until it felt like your breath / And when you spoke you'd have a voice that was not quite you / And not quite me.” Dazu bestechend staubtrockene und minimalistische Synthesizerwelten. Toll.

Gunther Osburg empfiehlt:
Buch: Cormac McCarthy - Ein Kind Gottes (Buch)
Ein Buch wie ein Abend im SPD Ortsverein: Egal, wie gut die Laune vorher war, danach ist alles schlecht. Wenn also der nächste endlose Sommer ins Haus steht und die Hormone nur noch C-Dur kennen, sollte man zu diesem Buch greifen.

Chris Imler empfiehlt:
Bruce LaBruce - Otto; or, up with dead people (DVD)
Bei seinen Streifzügen durch das nächtliche Berlin wird der junge Zombie Otto von der Regiseurin Medea Yarn und ihrem Bruder und Kameramann Adolf begleitet, die einen Dokumentarfilm über ihn drehen. "Up With Dead People" ist ein episch angelegter Polit-Porno-Zombie-Streifen, bei dem es an nichts fehlt. Bilder und Musik des Filmes sind überaus berührend, immer passend, wunderschön. Genau das Richtige für die dunkle Zeit.


Alle Bilder auf dieser Seite von Markus S Fiedler

360° Fotographie von Dorle Bahlburg www.dorlebahlburg.de

Close Up Fotographien von Robin Hinsch www.robinhinsch.com